Nachdem ich mir in meinem gestrigen Posting eher Gedanken dazu gemacht habe, wie meine Zukunft aussehen soll und wird, möchte ich heute noch einmal schauen, welche Umstände und Verhaltensweisen in den letzten Monaten dazu beigetragen haben, dass ich immer wieder emotional Achterbahn gefahren bin.

So weit ich das bisher überblicken kann, spielen da verschiedene Aspekte eine Rolle – zum Einen konkrete Verhaltensweisen (oder deren Unterlassen) meinerseits, zum Anderen auch äußere Umstände, die zu verändern mir noch die Kraft und die Möglichkeiten gefehlt haben.

Innere Umstände

Innere Umstände sind für mich Faktoren, die ich durch mein Verhalten selber verursacht habe, oder Dinge, die auch für mich sehr leicht zu beheben gewesen wären.

Vieles davon hat mich Gewohnheiten zu tun, die mir selber nicht zuträglich sind, und die ich nach und nach verändern möchte.

Chaos – oder: Die Gewohnheit, Kleinigkeiten nicht sofort zu erledigen

In der Physik gibt es ein Gesetz, genannt Entropie, das – stark vereinfacht – besagt, dass “Teilchen” dazu neigen, sich gleichmäßig im vorhandenen Raum zu verteilen. Streng genommen gilt das eigentlich für Moleküle von Gasen, aber irgendwie trifft es auch immer wieder auf die Dinge in unserer Wohnung zu: Bücher, Zeitschriften, Geschirr, leere Flaschen – all das neigt dazu, sich gleichmäßig in der Wohnung zu verteilen.

Andere Dinge wiederum verteilen sich weniger, sondern neigen dazu, undurchsichtige Stapel zu bilden, die von Tag zu Tag größer und bedrohlicher werden. Das trifft sowohl auf Papiere, als auch auf Dinge wie zum Beispiel Wäsche zu.

All das sind Dinge, die ich eigentlich mit relativ wenig zeitlichem Aufwand problemlos in den Griff bekommen kann. Ich muss nur täglich einige Minuten dazu aufwenden, mich um diese Dinge zu kümmern.

Aus Zeiten, in denen ich all diese Dinge (zumindest weitestgehend) im Griff hatte, weiß ich, dass mir das eine enorme Kraft gibt, und sehr sehr wichtig für mein Wohlbefinden ist. Und trotzdem habe ich es in den letzten Monaten und Jahren immer wieder zugelassen, dass sich diese Kleinigkeiten so lange ansammeln, bis sie mich komplett überfordern.

Meine Lösung:

Ich mache es mir zur Gewohnheit, mich täglich um all diese Kleinigkeiten zu kümmern. Das bedeutet konkret, dass ich am Ende meines Arbeitestages meine Inboxen für Papierkram sowie Mails komplett bearbeitet und geleert habe. Außerdem nehme ich mir täglich Zeit für Dinge im Haushalt, und achte darauf, abends als letztes alle noch herumliegenden Dinge aufzuräumen, damit ich den nächsten Tag in einer ordentlichen Umgebung beginnen kann.

Selbstmanagement – oder: Die Gewohnheit, den Überblick über mein Leben zu verlieren

Ein weiterer Faktor, der zu meinem massiven Überforderungsgefühl beiträgt ist der, dass ich es immer wieder zulasse, den Überblick über “mein Leben” zu verlieren.

Das bedeutet konkret, dass es mir ein Gefühl der Sicherheit gibt, wenn alle Dinge, die ich irgendwie zu tun habe, alle Verpflichtungen, die ich mir selber oder anderen gegenüber eingegangen bin, auf eine Art und Weise festgehalten sind, die es mir ermöglicht, mir schnell einen Überblick über mein Leben und meine Möglichkeiten zu verschaffen.

Aus den Zeiten, als nach dem System von Getting Things Done all diese Dinge erfasst hatte, ging es mir emotional wesentlich besser, auch wenn ich nicht mehr oder weniger dieser Dinge tatsächlich erledigt habe, als ich das im Augenblick schaffe.

David Allen hat meiner Vermutung nach einfach Recht, wenn er sagt, dass wir uns nur dann dabei gut fühlen können, Dinge nicht zu tun, wenn wir wissen, was genau wir nicht tun. Zumindest auf mich scheint das voll zuzutreffen.

Meine Lösung:

Ich mache es mir zur Gewohnheit, täglich meine Listen in Life Balance aktuell zu halten, erledigte Dinge zu streichen, und neue Aufgaben, Projekte und Verpflichtungen im System zu erfassen.

Auch wenn ich nicht unbedingt aktiv mit diesem System arbeite, gibt mir das ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle, das ich im Augenblick sehr sehr gut gebrauchen kann.

Gott – oder: Die Gewohnheit, in einer Woche die Welt neu erschaffen zu wollen

Eine etwas ungewöhnliche Beschreibung für ein Problem, oder?

Aber: Wenn Gott es geschafft hat, in nur einer Woche 5 Minuten die Welt zu erschaffen, dann muss es mir doch möglich sein, innerhalb eines Monats ein paar Dutzend unbedeutender Gewohnheiten und einige wenige hunderte Aspekte meines Lebens zu verändern – oder etwa nicht?

Naja, scheinbar nicht. Und wenn andere Menschen es geschafft haben, ihr Leben nach und nach auf eine Art und Weise zu verändern, die mir nur noch als Wunder erscheint, dann bedeutet das ja zumindest, dass es möglich ist. Und folglich, dass auch ich es schaffen kann.

Und trotzdem fühle ich mich so, als stehe ich ganz alleine mit einem kleinen Handfeuerlöscher für einer brennenden Hochhaussiedlung: Klein, hilflos, unbedeutend, und eben komplett mit der Situation überfordert.

Ganz konkret heißt das, dass ich in so vielen Bereichen meines Lebens Veränderungen vornehmen müsste, und mir alles absolut dringlich erscheint. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.

Meine Lösung:

Ich konzentriere mich in meinen Anstrengungen erste einmal primär auf die oben schon angesprochenen Punkte:

  • Ordnung
  • Struktur
  • Überblick
  • Kontrolle

Das sind zwar teilweise Meta-Themen, die nichts oder nur wenig mit meinen konkreten Veränderungswünschen zu tun haben, aber wenn ich diese Bereiche im Griff habe, wird das auch einen großen Einfluss auf die anderen Bereiche meines Lebens haben.

Denn dadurch, dass ich diese alltäglichen Dinge nicht im Griff habe, geht mir so viel Energie flöten! Und auch wenn ich diese Dinge perfekt erledige, wird das nach einer Eingewöhnungsphase wesentlich weniger Energie binden, als das im Augenblick der Fall ist. Und diese Energie kann ich dann nutzen, um nach und nach Veränderungen in verschiedenen anderen Lebensbereichen anzustoßen.

Äußere Umstände

Äußere Umstände sind für mich Dinge, auf die ich – zumindest im Augenblick – keinen oder nur einen sehr geringen Einfluss nehmen kann. Also Dinge, die ich nicht kurzfristig beseitigen kann, sondern bei denen ich im Augenblick am ehesten darauf Einfluss nehmen kann, wie ich mit ihnen umgehe.

Meine Traumatisierungen in der Vergangenheit

Durch eine Vielzahl negativer Erfahrungen in meiner Vergangenheit, die ich nie wirklich verarbeiten konnte, ist ein System von größtenteils noch unbewussten Glaubenssätzen entstanden, die mich im Hier und Jetzt massiv einschränken und in meinen Möglichkeiten beschränken. Dazu kommen Schutzmechanismen, die mir den bewussten Zugang zu diesen Dingen extrem schwer machen.

Auch mit den Mitteln von NLP und verwandten Techniken bin ich bislang nicht wirklich viel weiter gekommen. Auch wenn ich damit theoretisch direkt im Unterbewusstsein arbeiten könnte, habe ich nicht den Eindruck, dass ich mit diesen Techniken viel bewirken kann.

Meine Therapie hilft mir dabei, diese Glaubenssätze und ihre Ursachen nach und nach aufzudecken und der Veränderung zugänglich zu machen. Durch die Therapie komme ich wieder mit mir selber, meinen Bedürfnissen und meinen Gefühlen in Kontakt, und alleine das hilft mir schon. Leider ist der Prozess jedoch recht langwierig, und ich sehe derzeit auch keine andere Möglichkeit, die mir einen kurzfristigeren Erfolg in der Nachhaltigkeit bringen könnte, wie es die Therapie tut.

Meine Lösung:

Ich nehme mir bewusst die Zeit, mich im Rahmen meiner Therapie, und auch darüber hinaus, mit mir selber zu beschäftigen, mich zu erforschen und kennen zu lernen.

Die brennenden Hochhäuser

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: An der Vielzahl der Dinge, die ich in meinem Leben verändern möchte, kann ich im Augenblick wenig weiter tun, als mir diese Dinge bewusst zu halten, damit sie mich nicht unterbewusst in dem Maße negativ beeinflussen können, wie sie das in der Vergangenheit getan haben. Denn ich werde schlicht nicht im Handumdrehen mein Leben komplett umkrempeln können, auch wenn ich mir das immer noch wünsche.

Meine Lösung:

Ich halte meine Listen der Projekte und Aufgaben auf Stand, um mir die Dinge bewusst zu halten, die ich in Zukunft gerne mal ändern möchte. Für die Dinge, die ich im Augenblick noch nicht angehe, nutze ich einer “Vielleicht/Irgendwann”-Liste, um diese zumindest festzuhalten und Ideen dazu festhalten zu können.

Zum Schluss…

Ich habe jetzt zumindest schon einmal einen “Schlachtplan”, der mir den Eindruck vermittelt, dass er ich erst einmal weiter bringen kann.

Die Konzentration auf Meta-Probleme fühlt sich für mich zwar nicht unbedingt auf Anhieb gut an, aber die Erfolge werden mir Recht geben, und mich antreiben, in diesen Dingen am Ball zu bleiben. Das lehrt mich meine eigene Erfahrung aus der Vergangenheit. Jetzt geht es für mich erst einmal darum, den Weg dahin zu finden, und durchzuhalten, bis sich die ersten messbaren und emotionalen Erfolge einstellen, und die ersten Energiereserven freigesetzt werden, die meine Motivation und meinen Antrieb steigern werden.

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